Vortrag von Sr. Angela de Fátima Coelho während des Kongresses in Fatima am 7. Dezember 2026
Weihe an Maria und Sühne für die Sünden gegenüber dem Unbefleckte Herzen Mariens
Alle Fragen, die Gott uns stellt, müssen wir beantworten.
Die erste Frage, die Gott uns stellt, ist die Frage, die er auch schon Adam und Eva stellte nach dem Sündenfall: Wo seid ihr? Wo bist du?
Die zweite Frage ist die Frage, die Gott Kain stellte, nachdem er Abel erschlagen hat. Sie lautet: Wo ist dein Bruder?
Diese Fragen müssen wir als Christ in unserem Leben beantworten. Wir können diesen Fragen nicht entkommen, wenn wir ein heiliges Leben voll Gnade führen wollen.
Die Bitten Unserer Lieben Frau von Fatima müssen in einer mystisch-prophetischen Dimension gesehen werden:
Die mystische Dimension heißt: Unsere persönliche Verbindung mit Gott stärken und unsere Gotteserfahrungen pflegen.
Die prophetische Dimension bedeutet: Unsere Verpflichtung und Solidarität gegenüber der Menschheit und der Geschichte wahrnehmen.
Schwester Angela ist der Überzeugung, dass Sühne und Hingabe Antwort auf diese Fragen Gottes geben. Wenn wir die Botschaft von Fatima diesbezüglich betrachten, dann müssen wir zunächst festhalten, dass diese Botschaft aus mehreren Abschnitten besteht:
- Erscheinung des Engels von Fatima (Engel des Friedens) Frühjahr, Sommer und Herbst 1916
- Die sechs Erscheinungen Unserer Lieben Frau vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917
- Die Erscheinung der Muttergottes mit dem Jesuskind am 10. Dezember 1925 in Pontevedra
- Die Dreifaltigkeitsvision in Tuy 1929
Maria lädt uns ein, den Rosenkranz zu beten, ihrem Unbefleckten Herzen Wiedergutmachung zu leisten (also zu sühnen für die Sünden anderer) und uns ihrem Unbefleckten Herzen zu weihen. Wichtig ist, so Sr. Angela, all das unter zwei Aspekten zu betrachten:
Die mystische und die prophetische Dimension
Der mystische Aspekt besteht darin, dass alle Aussagen und Bitten der Jungfrau Maria darauf abzielen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen. Dieser mystische Aspekt trifft auch auf die Erscheinungen des Engels und auf die Erscheinungen von Tuy zu. Der Himmel will, dass wir unsere Beziehung zu Gott wachsen lassen.
Sr. Lucia hatte 1929 im Kloster in Tuy eine Vision der
Heiligen Dreifaltigkeit(Bild: WAF USA)
Die prophetische Dimension der Botschaft von Fatima bezieht sich zu einem großen Teil auf den Zweiten Weltkrieg mit seinen unmenschlichen Gräueln. Hier sei besonders Auschwitz genannt.
Bei vielen Menschen kam nach dem Zweiten Weltkrieg die Frage auf: wo warst du, Gott? Und damit entstand auch eine Glaubenskrise.
Sie glaubten, gerade im Hinblick auf Auschwitz, dass Gott zwar existiert, aber dass er weit weg von uns ist.
Die Botschaft von Fatima stellt dieses Missverständnis klar: Gott ist mit uns, geht mit uns und will uns nahe sein.
Gott möchte, dass wir unsere Verbindung zu ihm fördern und Ihm dadurch näher kommen. Das ist die mystische Dimension.
Wenn ich den Rosenkranz bete, kann ich mithelfen bei der Rettung der Welt. Das ist die prophetische Dimension der Botschaft von Fatima.
Torhaus Auschwitz-Birkenau im Winter 1945
Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0
Tiefe Verbindung zu Gott und zugleich Solidarität mit der Menschheit
Mit anderen Worten: Gott wünscht, dass wir unsere tiefe Verbundenheit mit ihm in unserer Solidarität mit der Menschheit und der Heilsgeschichte zum Ausdruck bringen.
Dies wird besonders deutlich bei der Erscheinung Mariens am 13. Juli 1917. Gott zeigt den Kindern die Hölle, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Es gilt, für ihre Bekehrung zu beten. Den Kindern wird auch ein Geheimnis offenbart, das aus drei Teilen besteht. Beim 3. Teil des Geheimnisses geht Gott besonders auf den Leidensweg der Kirche ein.
Gott zeigt den Kindern, was geschehen könnte, wenn der Mensch die Bitten der heiligen Jungfrau nicht erfüllt.
Die drei Seherkinder kurz nach demErleben der Höllenvision
Doch wenn der Mensch die Bitten Mariens erfüllt, dann kann sich alles ändern. Hier sehen wir eine prophetische Dimension. Wenn wir z.B. die Herz-Mariä-Sühnesamstage feiern, vertiefen wir dadurch unsere mystische Beziehung zu Gott und bringen gleichzeitig unseren Einsatz für die Heilsgeschichte zum Ausdruck.
Wir können beim Beten des Rosenkranzes etwas für uns selber tun, nämlich unsere Beziehung zu Gott stärken (mystische Dimension) und gleichzeitig etwas für die Heilsgeschichte und den Weltfrieden tun (das ist die prophetische Dimension unseres Gebetes). Wir sollten bei der Botschaft von Fatima also nichts ausklammern.
Zusammenfassung: Es geht um meine persönliche Beziehung zu Gott, also die mystische Dimension, und um die positive Beeinflussung des Weltgeschehens, also die prophetische Dimension.
Sühne
Sr. Angela betonte, dass das Thema Wiedergutmachung/Sühne in der Botschaft von Fatima vom Anfang bis zum Ende immer wieder aufgegriffen wurde:
1. Bei der zweiten Erscheinung des Engels im Sommer 1916
„Macht aus allem, was ihr könnt, ein Opfer, um die Sünden gutzumachen, durch die Er beleidigt wird und um die Bekehrung der Sünder zu erflehen.“
2. Bei der dritten Erscheinung des Engels im Herbst 1916
„...Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Sünden und tröstet Euren Gott.“
3. Bei der ersten Erscheinung Unserer Lieben Frau am 13. Mai 1917
„Wollt ihr euch Gott anbieten, alle Leiden zu ertragen, die Er euch schicken will, als Zeichen der Wiedergutmachung für die Sünden, durch die Er beleidigt wird und als Bitte für die Bekehrung der Sünder?“
4. Bei der zweiten Erscheinung Unserer Lieben Frau am 13. Juni 1917
Vor der rechten Handfläche Mariens sahen die Kinder ein Herz, umgeben von Dornen, die es zu durchbohren schienen.
Die Kinder verstanden, dass dies das Unbefleckte Herz Mariä ist, verletzt durch die Sünden der Menschen, das Sühne wünscht.
5. Bei der dritten Erscheinung Unserer Lieben Frau am 13. Juli 1917
„Opfert euch für die Sünder und sagt oft, besonders wenn ihr Opfer bringt: „O Jesus, das tue ich aus Liebe zu dir, für die Bekehrung der Sünder und zur Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens….“
Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat Pius XI. ein anderer, schlimmerer Krieg beginnen. …
Um dies zu verhüten, werde ich kommen, die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühne-Kommunion an den ersten Samstagen zu fordern.“
6. Bei der Erscheinung Unserer Lieben Frau mit dem Jesus-Kind in Pontevedra am 10. Dezember 1925
„Habe Mitleid mit dem Herzen deiner heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne dass jemand einen Sühneakt leisten würde, um sie herauszuziehen.“
Darauf sagte die heiligste Jungfrau:
„Meine Tochter, siehe mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch Lästerungen und Undankbarkeit ständig durchbohren. Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten und mache bekannt, dass ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mit mir eine Viertelstunde verbringen, indem sie die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten.“
Von 1916 bis 1925 zieht sich der Begriff der Sühne wie ein roter Faden durch die Botschaft von Fatima. Das Wort „Sühne“ bezieht sich also nicht nur auf den ersten Samstag im Monat, den sogenannten Herz-Mariä-Sühnesamstag, sondern stellt sozusagen eine Herzenshaltung dar. Es beschreibt, wie wir unser menschliches Leben in dieser Haltung der Sühne leben können. Schon bei der zweiten Erscheinung des Engels werden die Kinder – heute wir - aufgefordert, aus allem, was sich jeden Tag ergibt, ein Opfer zu machen, um die Sünden, die andere begangen haben, wiedergutzumachen (= zu sühnen) und um die Bekehrung der Sünder zu erflehen.
Bei der dritten Erscheinung des Engels, im zweiten Gebet, das er die Kinder lehrt, betet er zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, und fordert Sühne für die ungeheuerliche, gotteslästerliche Gleichgültigkeit, mit der Gott beleidigt wird. Und als er den Hirtenkindern die Kommunion reicht, sagt er: „Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Sünden und tröstet Euren Gott.“
Sühnen und trösten
Sühnt und tröstet. Sr. Angela bat darum, dass wir uns dies besonders merken. Weil es wichtig ist: Sühnt die Sünden anderer und tröstet euren Gott.
Diese beiden Aspekte sind für uns von großer Bedeutung, um die tiefe Bedeutung der Sühne zu verstehen. Sühnt ihre Sünden und tröstet euren Gott.
Schon bei ihrer ersten Erscheinung am 13. Mai 1917 fragt die Muttergottes am Ende die Kinder, ob sie bereit seien, sich Gott als Sühne für die Sünden anderer darzubringen. Und bei der Erscheinung im Juni, als die Muttergottes den Kindern ihr Unbeflecktes Herz zeigte, von Dornen durchbohrt, verstanden sie, dass Marias Herz verletzt ist und Sühne sucht.
Am 13. Juli 1917 bittet die Muttergottes die Kinder, sich aufzuopfern für die Sünder und lehrt sie folgendes Gebet: „Oh mein Jesus, es ist aus Liebe zu dir, für die Bekehrung der Sünder, für den Heiligen Vater und zur Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens.“ Danach müssen die Kinder einen Blick in die Hölle tun, wohin die Seelen der armen Sünder gelangen. Die Muttergottes erklärt den Kindern: „Um sie zu retten, will Gott die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen in der Welt begründen.“ Wenn die Menschen tun, was die Muttergottes erbittet, wird Friede sein, wenn die Menschen Gott weiterhin beleidigen, wird ein noch schlimmerer Krieg beginnen. „Um das zu verhindern, werde ich kommen und um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen bitten.“
Kommen wir nun zu der Erscheinung Mariens mit dem Jesuskind am 10. Dezember 1925 in Pontevedra. Das Jesuskind spricht zuerst: „Habe Mitleid mit dem Herzen deiner heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne dass jemand einen Sühneakt leisten würde, um sie herauszuziehen.“
Dann sagt die Heilige Jungfrau Maria: „Meine Tochter, siehe mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch Lästerungen und Undankbarkeit ständig durchbohren. Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten…!
Hier haben wir also diese beiden Hauptgedanken: Sühne und Trost.
Nun kommen wir zu einem der wohl schwierigsten Punkte des Vortrags:
Was bedeutet Sühne leisten?
Bei Schwester Angela beinhaltet das Thema Sühne zum einen Wiederherstellung, aber auch Trostspenden. Zur Erklärung von Wiederherstellung sei auf die Situation im Garten Eden verwiesen.
Vor dem Sündenfall standen die drei Beziehungen, es sind dies die Beziehung zu Gott, die Beziehung untereinander und die Beziehung zur Natur, zum Kosmos, in Harmonie zu einander.
Nach dem Sündenfall ist unsere Beziehung zu Gott zerbrochen.
Wir sehen das bei Adam und Eva. Sie verlassen den Garten Eden, sie werden vertrieben. Auch die Beziehung zur Menschheit ist seit dem Sündenfall zerbrochen.
Wir sehen das, als Kain Abel tötet. Und auch die Beziehung zur Natur, zum Kosmos leidet. Wir sehen das an der Sintflut mit Noah.
Kain erschlägt Abel,
Glasfenster von Hans Acker im Ulmer Münster (um 1430) (Wikipedia CC BY-SA 3.0 )
Jesus stellt diese drei Beziehungen wieder her, er erneuert sie. Dies wird durch folgende Aussagen Jesu deutlich: Er sagt zu den Jüngern: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte…. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt“ (Joh) 15,15
Zu Maria Magdalena sagt er: „Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen…“ (Joh 20,17) Jesus nennt seine Jünger nach der Auferstehung Brüder.
Jesus hat im Ostergeheimnis Sühne vollzogen. Er hat die Harmonie der drei Beziehungen wiederhergestellt.
Sühnen in Einheit mit Jesus und dabei die zerbrochenen Beziehungen wiederherstellen
Wenn ich nun Sühne leiste, dann tue ich dies in Einheit mit Jesus. Nur durch ihn erhält unsere Sühne ihre Wirksamkeit.
Wenn ich zur Sühne z.B. den Rosenkranz bete, ein Opfer bringe, dann bin ich in Einheit mit Christus und helfe, die Folgen der Sünden von heute wieder gut zu machen.
Wir haben die Verbindung zu Gott zerbrochen. Wir haben die Verbindung zueinander zerbrochen. Und wir haben die Verbindung zur Natur zerbrochen. Das wird deutlich durch die Aussage des heiligen Paulus, der sagt, dass die ganze Schöpfung noch immer auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes wartet.
(vgl. Röm 8,19)
Papst Franziskus bestätigte diese Auffassung, indem er sagte, die Wurzel allen Übels sei die Sünde, die seit dem Sündenfall unsere Gemeinschaft mit Gott, mit unseren Mitmenschen und mit der Schöpfung gestört habe.
Wie können wir heute Gott trösten? Wie können wir heute die Jungfrau Maria trösten?
Jedes Mal, wenn wir eine Sühnehandlung vollbringen, so Schwester Angela, vertiefen wir unsere Beziehung zu Gott und werden immer mehr zu Kindern Gottes.
Die Sühne schärft unser Bewusstsein und wir leben so immer tiefer in dieser Verwurzelung der Beziehung zu Gott. Wir tun damit etwas für unsere Heiligkeit. Wir stärken unsere Geschwisterlichkeit und helfen der Schöpfung, davon zu profitieren.
iedergutmachung ist also Mitwirkung an der Heilsgeschichte. Die Frage ist: Wie können wir als einfache Menschen Gott trösten, der ja eigentlich im Paradies ist? Und wie können wir die heiligste Jungfrau trösten?
Papst Franziskus formuliert es so: Wie können wir zum Gott des Lebens beten, der von den Toten auferstanden ist und in Herrlichkeit herrscht, während wir ihn gleichzeitig in seinen Leiden tröste? (Dilexit Nos 155) Wir müssen das mystisch sehen.
Wenn Jesus, der vor 2000 Jahren am Kreuz starb, auch uns Menschen von heute von unseren Sünden erlöst hat, dann wird unser Trost von heute Jesus auch vor 2000 Jahren berühren. Es ist dieselbe Dynamik. Es ist der Heilige Geist.
Gott trösten beginnt mit der wahren Erkenntnis unserer Sünden
Ein anderer Gedanke ist, dass Gott im mystischen Leib weiterhin leidet. Und während wir sündigen, leidet er als unser Haupt.
Wir sind sein Leib. Und der mystische Leib Christi kann nicht geteilt werden.
Der natürliche Wunsch, Christus zu trösten, beginnt damit zu betrachten, was er für uns ertragen hat, wächst zu der ehrlichen Erkenntnis, dass unsere schlechten Gewohnheiten, unsere Zwänge, unsere Bindungen, unser schwacher Glaube, unsere eitlen Ziele, unsere heutigen Sünden sein Herz verletzen. Seien wir uns also bewusst, dass das, was wir heute tun, das Herz Gottes berührt. Es ist ihm nicht gleichgültig, ob wir ihn lieben oder ablehnen.
Papst Benedikt hat 2007 Fatima als „Schule der Liebe“ bezeichnet. Er sagte, in Fatima lernen wir die Kunst des Betens, Liebens und Glaubens. Diese Sichtweise erklärt auch Sühne als Trost. Denn wenn ich zum Beispiel samstags den Sühnerosenkranz bete, bedeutet das, dass die einzige Absicht dieses Rosenkranzes darin besteht, Maria zu trösten.
Ich denke nicht an meine eigenen Absichten oder Bedürfnisse, sondern daran, dass meine Mutter Maria leidet und ich sie trösten möchte. Sühne zu leisten bedeutet also, Gott über meine eigenen Anliegen zu stellen und unsere Brüder und Schwestern wie mich selbst zu lieben. Indem wir durch Sühne am Ostergeheimnis teilhaben.
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