Das Thema Marienweihe in Fatima
Fortsetzung des Vortrags von Sr. Angela
In Fatima – so Schwester Angela - geht es nicht so sehr um meine persönliche Weihe an Maria, sondern um die Weihe Russlands. Das ist das Thema des Vortrags.
Warum ist es legitim, sich dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen? Die persönliche Weihe ist legitim, weil wir anerkennen, dass Maria unsere Mutter, die Mutter der Kirche ist. Das ist auch das Ergebnis des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Da wir sie als unsere Mutter, als unsere geistliche Mutter, anerkennen, ist es möglich, uns ihrem Unbefleckten Herzen zu weihen. Manche Menschen, oder auch einige Theologen, meinen, dies sei nicht notwendig, da wir durch die Taufe bereits Gott geweiht seien.
Es ist richtig, dass das Sakrament der Taufe die Basis aller anderen Sakramente ist. Um das Sakrament der Ehe oder die Priesterweihe zu empfangen und zu leben, brauchen wir immer zuerst die Taufe, um die Kraft für die neue Weihe zu empfangen.
Wenn ich also die Weihe an die Muttergottes vollziehe, kann ich dies tun, weil sie meine geistliche Mutter ist.
Meine Taufe ist der Ursprung meiner Marienweihe. Was macht den Unterschied aus? Ich beginne mein Leben aus dieser Perspektive heraus zu leben. Ich möchte Christus nachfolgen, wie Maria es tat. Ich möchte eine Jüngerin Christi werden, so wie Maria. Eine Jüngerin Christi nach ihrem Vorbild und unter ihrer Führung. Ich möchte in meinem Alltag dieselbe Verbindung zu Christus haben wie Maria. Zum Beispiel ihren Glauben, ihre Verbindung zur Heiligen Schrift, ihre Demut.
Die Weihe an Maria ist wichtig, weil wir uns ihrer Rolle in der Heilsgeschichte bewusster werden. Außerdem werde ich mir ihrer Rolle in meinem Leben immer bewusster.
Weihe von Nationen
Aber was ist mit der Weihe von Nationen? Denn genau darum geht es in Fatima. Es geht ja um die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens. Manche fragen, ob das legitim ist. Müssen wir nicht jeden einzelnen Menschen in diesem Land fragen, ob er sich Maria weihen möchte? Wenn ich beispielsweise eine Pfarrei weihe, muss ich dann jedes einzelne Gemeindemitglied fragen, ob er geweiht werden möchte? Und wenn ich eine Diözese weihen möchte, muss ich dann alle fragen?
Die theologische Antwort lautet: Der Papst kann die Welt oder ein Land weihen. Bischöfe können ihr Land weihen. Ein Bischof kann seine Diözese weihen. Ein Pfarrer kann seine Pfarrei weihen. Eltern können ihre Kinder und Familien weihen, da sie für diese Gruppe verantwortlich sind.
Jeder kann nur diejenigen weihen, für die er verantwortlich ist. Sr. Angela kann nicht das Fatima-Weltapostolat der Muttergottes weihen. Sie kann das nicht, weil sie nicht dafür verantwortlich ist. Sie könnte auch nicht unsere Familien weihen, selbst wenn sie das wollte, weil sie nicht dafür verantwortlich ist.
Nur wer für eine Gruppe verantwortlich ist, kann diese Gruppe weihen. Und es berührt nicht die Freiheit derer, die nicht geweiht werden wollen, denn es ist hauptsächlich ein Fürbittgebet.
Das ist die theologische Antwort. Wer also nicht als Volk leben will, das Maria geweiht ist, der tut es eben nicht. Manchmal verstehen sie nicht einmal, dass eine Weihe vollzogen wurde.
Wenn also ein Priester eine Pfarrei weiht, verletzt er nicht die Freiheit derer, die nicht als Maria Geweihte leben wollen. Gut, dann leben sie eben nicht so. Aber natürlich sollte es vorbereitet sein und so gestaltet sein, dass es jeder, oder zumindest die meisten, wünschen.
Die Mitglieder der Pfarrei sollten zumindest vorbereitet sein.
Die Bitte um die Weihe Russlands ans Unbefleckte Herz Mariens
Kommen wir also zur Geschichte Russlands. Am 13. Juni 1929 baten die Muttergottes und Jesus im Kloster von Tuy um die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens. Die Muttergottes sagte zu Lucia: „Es ist der Augenblick gekommen, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herzt zu vollziehen. Er verspricht, es durch dieses Mittel zu retten. So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden verdammt, die gegen mich begangen werden, so dass ich um Sühne bitte: Opfere dich in dieser Meinung auf und bete.“
Es geht also um drei Bedingungen für die Rettung Russlands:
- Russland soll dem Unbefleckten Herzen Mariens
geweiht werden. - Der Heilige Vater muss die Weihe Russlands vollziehen.
- Die Weihe Russlands ans Unbefleckte Herz Mariens soll in Einheit mit allen Bischöfen weltweit vollzogen werden.
Lucia vertraute sich dem Beichtvater an. Der Herr sagte ihr jedoch, dass sie seiner Bitte nicht nachkommen wollten. Wie der König von Frankreich würden sie es bereuen und tun, aber es werde zu spät sein.
Russland werde seine Irrtümer bereits in der ganzen Welt verbreitet haben und Kriege und Verfolgung der Kirche provozieren. Der Heilige Vater werde viel zu leiden haben.
Als Lucia nach Russland gefragt wurde, verstand sie die Situation vollkommen und erklärte, es gehe nicht um die Wirtschaft.
Es gehe vielmehr um den Atheismus, der der kommunistischen Philosophie zugrunde liege. Der Atheismus, erklärte Lucia, umfasst alle Regierungsformen, die Menschen daran hindern, ihren Glauben zu leben.
Das ist das Problem Russlands für unseren Herrn, und diese atheistischen Irrtümer verbreiten sich in der ganzen Welt.
Wenn ein Land, wenn Menschen ihren Glauben nicht leben können, dann bereitet das der Heiligen Jungfrau Maria Sorgen.
Moderne Hochhäuser in Moskau, kunstvoll gestaltete U-Bahnstationen und die Weite des Landes prägen den Eindruck von Russland
Die Weihe Portugals und der Welt ans Unbefleckte Herz Mariens
Am 13. Juni 1929 bat die Muttergottes um die Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz. Am 13. Oktober 1930 wurden die Erscheinungen von Fatima anerkannt. Am 13. Mai 1931, erstaunlicherweise nur 7 Monate nach der Anerkennung der Erscheinung, weihten alle portugiesischen Bischöfe Portugal dem Unbefleckten Herzen Mariens. Und wiederholten diese Weihe im Jahr 1938.
1937 bat der Bischof von Leiria den Papst um diese Weltweihe, 1938 baten alle Bischöfe Portugals den Papst, die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Ab der Weihe Portugals 1931 war das Land in Sicherheit und blieb von direkten kriegerischen Auseinandersetzungen verschont. Sr. Lucia sagte bereits 1931, als die politischen Bewegungen den Zweiten Weltkrieg ankündigten, dass Portugal nicht am Krieg teilnehmen werde. Aufgrund der Weihe von 1931 war sich Sr. Lucia dessen vollkommen sicher und schrieb dies in mehreren Briefen, auch an den Papst.
1940, der Krieg hatte gerade erst begonnen, schrieb Lucia an den Papst mit der Bitte um die Weihe Russlands. Außerdem schrieb sie, dass Portugal am Krieg nicht teilnehmen würde.
Wie konnte diese Frau sich dessen so sicher sein? Am 31. Oktober 1942 weihte Papst Pius XII. die ganze Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens. Für diese Weihe war auch die selige Alexandrina Maria da Costa von Balazar wichtig, die sich Christus darbot als Opfer für die Bekehrung der Sünder und für den Frieden in der Welt. Auch sie erbat von Papst Pius XII. die Weihe der Welt ans Unbefleckte Herz Mariens.
selige Alexandrina Maria da Costa von Balazar
Im Folgejahr ließ Sr. Lucia verlauten, dass diese Formen unzureichend seien, und vor allem, wie sie sagte, fehle die Vereinigung der Bischöfe der Welt. Sie sprach auch darüber, dass Russland nicht explizit erwähnt wurde.
Am 17. Juli 1952 weihte Pius XII. im Apostolischen Schreiben „Sacro Vergente Ano“ Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens. Sr. Lucia sagte, es sei fast vollbracht, aber es fehle noch etwas. Als man sie fragte, was fehle, war die Antwort klar: die Vereinigung der Bischöfe der Welt.
Im Dezember 1983 schrieb Johannes Paul II. an alle Bischöfe der Welt und teilte ihnen mit, dass er im folgenden Jahr die Weihe gemäß dem Wunsch der Gottesmutter vollziehen werde, damit sie sich ihm anschließen. Viele flogen nach Rom. Einige blieben in ihren Diözesen und sagten: „Papst, wir sind mit dir vereint.“
Nach der Weihe durch Papst Johannes Paul II.
Schließlich fand die Weihe am 25. März 1984 statt, und der Heilige Vater gab den Auftrag dazu.1985 wurde Gorbatschow gewählt und leitete eine Kette von Ereignissen ein, die die Welt grundlegend veränderten. Bei seinem offiziellen Besuch in Westdeutschland kündigte er an, die Breschnew-Doktrin aufzugeben. Am 2. März 1989, nur fünf Jahre nach der Weihe, fiel der Eiserne Vorhang, der Österreich von Ungarn trennte.
Dann fiel 1989 die Berliner Mauer. Es geschah, was keiner vor der Weihe für möglich gehalten hätte: Gorbatschow und seine Frau besuchten den Papst im Vatikan, und die erste offizielle russische Pilgerfahrt zum Schrein von Fatima fand statt.
Ein Teil der Berliner Mauer steht heute am Rand der Cova da Iria in Fatima
Im zweiten Teil des Geheimnisses sagt die Muttergottes die Worte, die wir alle sehr gut kennen: „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein.“ Die Muttergottes bat um das Rosenkranzgebet, um Sühne, Weihe und Umkehr. Es erscheint so wenig angesichts einer so immensen Gnade. Aber manchmal zweifeln wir wie der Syrer Naaman, als der Prophet Elischa ihn bat, zum Fluss zu gehen und dort 7mal einzutauchen, damit sein Aussatz geheilt werde. So etwas Einfaches…und so eine große Gnade.
Kardinal Ratzinger sagte, als er 1996 als Kardinal nach Fatima kam in einer Radiosendung, dass er die mystische und die prophetische Dimension dieser Bitten miteinander verbindet. Mir scheint, unser größter Irrtum ist zu glauben, dass nur große wirtschaftliche und politische Maßnahmen die Welt verändern können. Es ist eine Versuchung, selbst unter Christen, zu denken, dass das Gebet nur wenig Wert hat. Durch dieses Denken geht die innere Einkehr verloren.
Hier in Fatima hören wir von verborgenen Dingen, von Bekehrung, Gebet, Buße, Sühne und Weihe. Sie scheinen keine politische Bedeutung zu haben, sind aber entscheidend; sie sind die erneuernde Kraft der Welt. Uns scheint, dass Sühne keine prophetische Wirkung hat, aber sie ist entscheidend, Sühne ist die erneuernde Kraft der Welt.
Auch Papst Leo XIV. wies in seiner Predigt am 12. Oktober 2025 darauf hin, das wir, so wie der Syrer Naaman, nicht unbedingt Großes leisten müssen, um Gottes Gnaden zu erhalten.
Der Glaube ist ausschlaggebend
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